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Editorial from Expedition’s Chief Historian | Expedition Arctic Ocean Raptor

Editorial from Expedition’s Chief Historian

Erinnerung an die Tragödie des Schlachtschiffes SCHARNHORST am 26.12.1943

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Bernd Lehmann
Bernd Lehmann

von Cdr. ret. M.A. Bernd Lehmann

Am 2. Weihnachtstag des Jahres 1943, nach einem ca. zehnstündigen wechselvollen Kampf gegen einen übermächtigen und letztlich überlegenden Verband der Royal Navy (RN) sank das deutsche Schlachtschiff SCHARNHORST schließlich nach mehreren Torpedotreffern auf 72.26° N, 28.68°O in der Barentssee südöstlich der Bäreninsel um ca.19:45. Mit ihr gingen 1932 Besatzungsangehörige unter, nur 36 Mann konnten von zwei Zerstörern der RN gerettet werden.

Sir Winston S. Churchill hat in seinem 1994 in Deutschland erschienen Buch „Der Zweite Weltkrieg“ (einer Kurzfassung seiner sechsbändigen Erinnerungen „The Second World War“, publiziert im Zeitraum 1948-1955) unter dem Abschnitt ** Triumph und Tragödie ** ebenfalls das letzte Gefecht der SCHARNHORST thematisiert (S. 830f.)

Im folgenden wird seiner ausgewogenen Beschreibung dieses Ereignisses hier Raum gegeben; deutsche Darstellungen werden am Ende der wörtlichen Wiedergabe dieses „Ausschnittes“ angeführt.

„Der Dezember-Geleitzug [1943, JW 55B] hatte ein erfreuliches Seegefecht zur Folge. Nach der Havarierung der TIRPITZ war die SCHARNHORST als einziges feindliches Großkampfschiff in nordnorwegischen Gewässern verblieben. Von fünf Zerstörern begleitet lief sie am Weihnachtsabend 1943 aus dem Alten-Fjord aus, um den Geleitzug fünfzig Seemeilen der Bäreninsel anzugreifen. Die verstärkte Geleitzugeskorte bestand aus vierzehn Zerstörern und einem Geschwader von drei Kreuzern. Der Oberbefehlshaber, Admiral Fraser, hielt sich mit seinem Flaggschiff, der DUKE of YORK, zusammen mit dem Kreuzer JAMAICA und vier Zerstörern weiter im Südwesten, jederzeit bereit zum Eingreifen.

Zweimal versuchte die SCHARNHORST an den Geleitzug heranzukommen. Beide Male wurde sie von den begleitenden Kreuzern und Zerstörern abgefangen und zum Kampf gestellt. Nach einem unentschiedenen Gefecht, in dem sowohl die SCHARNHORST als auch der britische Kreuzer NORFOLK getroffen wurden, brach erstere das Gefecht ab und zog sich in südlicher Richtung zurück; unsere Kreuzer folgten ihr und meldeten fortlaufend ihre Position. Die deutschen Zerstörer griffen nicht ein und wurden auch nie gesichtet. Mittlerweile näherte sich der Oberbefehlshaber bei schwerem Seegang unter Volldampf. Um 16 Uhr 17, als das letzte arktische Zwielicht längst erloschen war, entdeckte die DUKE of YORK den Gegner auf dem Radarschirm in einer Entfernung von dreiundzwanzig Meilen. Die SCHARNHORST ahnte noch nichts von ihrem heraufziehenden Untergang, bis die DUKE of YORK auf 11000 Meter das Feuer mit Leuchtgranaten eröffnete. Gleichzeitig schickte Admiral Fraser seine vier Zerstörer vor mit dem Befehl, bei sich bietender Gelegenheit anzugreifen. Einer von ihnen, die STORD, fuhr unter Königlich Norwegischer Flagge. Die überraschte SCHARNHORST drehte nach Osten ab. In einem laufenden Gefecht wurde sie mehrmals getroffen, vermochte sich aber infolge ihrer größeren Geschwindigkeit allmählich zu entfernen. Um 18 Uhr 20 begann sie jedoch merklich an Geschwindigkeit einzubüßen, und unsere Zerstörer vermochten von beiden Seiten an sie heranzukommen. Gegen 19 Uhr trugen sie sämtlich ihren Angriff vor. Vier Torpedos fanden ihr Ziel. Von den Zerstörern wurde nur einer getroffen.

Die SCHARNHORST wendete, um die Zerstörer zu vertreiben, doch das ermöglichte der DUKE of YORK rasch bis auf rund 9000 Meter heranzukommen und das Feuer mit vernichtender Wirkung wieder zu eröffnen. In einer halben Stunde war der ungleiche Kampf zwischen dem großen Schlachtschiff und der wunden SCHARNHORST vorüber, und die DUKE of YORK überließ den Kreuzen und Zerstörern den Todesstoß. Die SCHARNHORST ging bald danach unter; von ihrer Besatzung, 1970 Offizieren und Matrosen unter dem Befehl des Konteradmirals , vermochten wir nur sechsunddreißig Mann zu retten.

Das Schicksal der havarierten TIRPITZ vollendete sich erst ein Jahr später: doch war mit dem Untergang der SCHARNHORST die schlimmste Drohung für die Eismeer-Geleitzüge beseitigt, und auch unsere Heimatflotte gewann größere Bewegungsfreiheit.“

Beitragende Ursachen für die Niederlage der SCHARNHORST waren, ohne in Details an dieser Stelle zu gehen, waren die

  • Artileristische Unterlegenheit beim Hauptkaliber,
  • Fähigkeiten des Funkmessverfahrens verbunden mit frühzeitigem Ausfall gegenüber dem Radar der RN
  • komplizierte Führungsorganisation und Befehlsgebung in der Kriegsmarine sowie Zusammenarbeit mit der Luftwaffe, insbesondere im Bereich der Luftaufklärung

Interessant, dass der ehemalige Oberbefehlshaber der Kriegsmarine (bis Januar 1943) kein Wort über dieses Gefecht und den Verlust der SCHARNHORST mit den fast zweitausend Mann Bestazung in seinen Memoiren verliert. Sein Nachfolger im Amt, Großadmiral Dönitz, beschreibt in seinen Memoiren dieses Ereignis, sieht in seiner Darstellung jedoch die Hauptverantwortung bei der taktisch-operativen Führung unter Admiral Bey! Eingehende Untersuchungen über die damalige Weisungs-und Befehlsgebung zeichnen bedauerlicherweise jedoch ein anderes, gegensätzliches Bild!

Deutsche Literaturempfehlungen zu diesem Ereignis:

  • Bredemeier, Heinrich: Schlachtschiff Scharnhorst. Herford, 1994. S. 214-283.
  • Johannesson, Rolf: Offizier in kritischer Zeit. Herford u. Bonn, 1989, S. 91-101.
  • Wikipedia, Schlachtschiff Scharnhorst, Abschnitt „Unternehmen Ostfront“ unter https://de.wikipedia.org/wiki/Scharnhorst_(Schiff,_1936)

Des weiteren auf YouTube eine interessante englische Dokumentation mit dem Titel „Secrets of World War ll – The End of the Scharnhorst” mit Graphiken auch über den Verlauf des Gefechts unter https://www.youtube.com/watch?v=qWn3rB3GSW4, ab Minute 28:00.

 

24 July – 7 August 2016 Historic Research Offshore Sailing Expedition to the edge of the world